Rosenblatt als Groß-Künstler

Die Ausstellung Limit/ bei hampelkotzur, ist das der Höhepunkt des Rosenblattschen Schaffens?
Kuenstler

Es scheint im Trend zu liegen, dass Kunstausstellungen in Architekturbüros stattfinden. Während bei Maier und Wittig das Konzept der Freien Wand nur der Verschönerung des Besprechungsraumes dient, hatte sich Patrick Rosenblatt im großen und verzweigten Büro von Hampel Kotzur & Kollegen (Breitscheidstraße, neben dem Weltspiegel) bis in alle Ecken ausgebreitet und sogar ausgewählte Möbelstücke mitgebracht. Der monströse Schrank, der wochenlang seinen zu kleinen Laden blockierte und es nun, mit Metallgestell und Rollen unten dran, als Design-Mobiliar zum Ausstellungsstück geschafft hat, wirkt in den großzügigen Räumen durchaus passend. Die Malerei („Mischtechnik“, wie die oberste Cottbuser Kunst-Sachverständige Ulrike Kremeier ausführlich erläutere) passte prima ins liebevoll eingerichtete Architekturbüro. Rosenblatts Methode des intuitiven Geschmieres, Gekritzels und Beklebens hat er inzwischen bis zu einem hohen Grad der Perfektion kultiviert (perfekte Un-Perfektion). Die schiere Menge der Exponate lässt vermuten, dass er entweder einfach so weitermachen könnte (und eben noch hunderte von Blättern beschmiert, bekritzelt und beklebt) oder er lässt sich mal was anderes einfallen. Der Titel der Ausstellung heißt Limit/. Durchaus ein Höhepunkt, um weiter zu kommen, muss irgendeine Grenze übersprungen werden.
HippesPublikum2B
Kunstpublikum
Hinten Mitte: Der Monster-Schrank mit Rädern unten dran, Sven Krüger stützt sich dem Ellbogen darauf, Rosenblatt und die anderen lauschen den Worten von Frau Kremeier.

Advertisements

Bei Marx und Engels auf dem Schoß

Nach dem harmlosen Traktoren-Video müssen wir uns jetzt dringend wieder um die ernsten Dinge des Daseins kümmern und das versuchten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten am letzten Wochenende. Das Video zu Wahrheit und Wissenschaft mit den Cottbuser Denkmalen (Denkmälern?) sollte ja nur das Vorspiel sein. Denn der große ästhetisch/ideologische Masterplan sieht vor, bedeutende Standbilder zu integrieren, speziell solche von Karl Marx. Und dann lag auf dem Küchentisch plötzlich ein Infozettel irgendeiner Künstler-Vereinigung (Various & Gould), die auf dem abgebildeten Foto gerade dabei waren, Marx und Engels bunt zu bemalen. Bei genauerem Hinsehen (und lesen) stellte sich allerdings heraus, dass das Marx- und Engels-Denkmal aus Berlin Mitte mit Pappmasche abgeformt worden war, und die poppig bunte Replika wurde in Berlin Hellersdorf aufgestellt. Ausgerechnet am Cottbus Platz. Da gab es für mich kein Halten mehr, zumal der Sonntag der letzte Tag der Kunstaktion war. Zum Glück konnten Sarah, Julia, Mimi und Sofia überredet werden mitzukommen, und so machten wir uns auf den Weg von Cottbus zum Cottbuser Platz. Im Zug bemalten wir noch die Laborkittel, die ich im Dachboden gefunden hatte, damit wir auch ein bisschen poppig aussahen und Mimi half einigen mitreisenden Frauen beim Zopf-Flechten.

Dann rein in die U-Bahn und ab in den Plattenbauosten von Berlin. Das Kunstwerk war super, man konnte es schon von der U-Bahnstation aus sehen und wir machten tolle Aufnahmen. An dieser Stelle noch ein großer Dank an die Künstler, denn wir waren ja sozusagen nur parasitäre Aktivisten, die von der Qualität der Pop-Replika des Originals der Abbildung zweier großer Männer profitierten. Mit den üblichen Verzögerungen („Der Zug kann wegen einer Störung des Vorausfahrenden Zuges auf unbestimmte Zeit nicht weiterfahren“, „Ich brauche was zu essen“, „Ich muss mal pullern, aber hier ist kein ordentliches Gebüsch!“ „Können wir Sekt kaufen?“) ging es weiter nach Mitte. Dort stand, umringt von asiatischen Touristen, die Bronzestatue. Die war wegen der großen Hitze ziemlich heiß, so dass sich einige Leute beim Anlangen fast die Finger verbrannten. Sarah und ich hatten ja unsere Labor-Mäntel an, dadurch konnten wir uns zwar dem Marx auf den Schoß setzen, aber es war ziemlich rutschig. Ich dachte die Mäntel wären cool, weil sie so ähnlich geschnitten waren, wie die Gehröcke von Marx und Engels, aber die Farbe stimmte leider gar nicht. Wir sangen an beiden Denkmälern unser Lied (Wahrheit und Wissenschaft), und vermasselten es ziemlich, weil wir keine Notenständer dabeihatten und den Text nicht auswendig konnten. Lustig war es trotzdem.

Darum freuen wir uns schon darauf, dass wir vermutlich an dem langen Wochenende des 3.Oktobers die ZMOT-Reise nach Karl-Marx-Stadt antreten werden, wo wir dann die Karl-Marx-Riesen-Statue umtanzen. Wer will mitkommen? Bitte schon mal melden unter ralf.schuster@posteo.de